Mit dem Namen ALLAHs, des Barmherzigen, des Allerbarmers, bismi ʾllāhi ʾr-raḥmāni ʾr-raḥīm

Kategorie: Allgemein

  • Blogreihe: Die Terra Incognita der islamischen Psychologie – Woche 6

    Philosophische Psychologie, Philosophie des Geistes, Sozialpsychologie, Träume

    Das islamische Verständnis des Gottesdienstes ist weiter gefasst als die bloße Durchführung religiöser Rituale. Glaube und Handlung können in alle Bereiche der menschlichen Existenz einbezogen werden, denn kein privater noch öffentlicher Aspekt des Lebens ist zu gering, um nicht in einen Gottesbezug gebracht zu werden. Das islamische Verständnis von Gottesdienst ist, Kongruenz zwischen der menschlichen Natur (fiṭra), wie sie von islamischen Quelltexten beschrieben wird, und dem menschlichen Erleben und Verhalten herzustellen – auch unter Rückgriff auf die ihn umgebende Umwelt, die ihm zur Erfüllung seiner Existenzfunktion dienstbar gemacht wurde (45:13) (Rüschoff, 1989; Öz & Kaplick, 2018).

    Das arabische Wort für die Statthalterschaft des Menschen (ḫilāfa) entstammt der Wortwurzel ḫ-l-f und bezieht sich lexikalisch betrachtet auf Austausch, Substitution, Mandat oder auch Delegation. In der islamischen Theologie wird das Konzept der Statthalterschaft dahingehend verdeutlicht, dass es sich um die Delegierung von Verantwortung für Aufgaben handele, die zunächst Gottes Aufgaben waren (32:5). Diese seien jedoch an den Menschen mit seiner Entsendung auf die Erde übertragen worden und er übernehme für diese, unter Berücksichtigung der Offenbarung, Verantwortung. Aus den islamischen Quelltexten (v.a. 91:9; 3:110; 11:61) wird ersichtlich, dass es sich bei den Angelegenheiten, die in die Verantwortung des Menschen übertragen wurden, insbesondere um folgende drei Dimensionen handelt: 1) das menschliche Innenleben (Psychologie, Spiritualität; 91:9), 2) soziale Angelegenheiten und Beziehungen (muʿāmalāt; 3:110) und 3) die Interaktion zwischen den Menschen und der natürlichen Umwelt (11:61).

    „[…] an dem Tag, da weder Besitz noch Söhne (jemandem) nützen, außer, wer zu Allah mit heilem Herz kommt“ (26:88-89).

    Auf Grundlage dieses Verses lässt sich argumentieren, dass zumindest für das menschliche Innenleben der Gottesdienst und das Sorgen um das Innenleben als Mittel dafür angedacht sind, das Herz in einen heilen Zustand zu bringen. Der Prozess, das spirituelle Herz im Sinne seiner seelischen Bedeutung in einen heilen Zustand zu bringen, kann als tazkiyya, islamische Spiritualität, verstanden werden. Tazkiyya bedeutet linguistisch zum einen Läuterung/Reinigung und zum anderen Erhöhung/Zunahme. Idiomatisch und fachsprachlich bezieht sich tazkiyya auf die Läuterung der Seele von den Hindernissen, die ihr verwehren, in Harmonie mit ihrer Natur (fiṭra) zu stehen (91:9).

    Dieser Referenzrahmen liefert eine Verortung der Psychologie und Spiritualität in einem islamischen Kontext: Sie setzen sich mit dem menschlichen Verstand auseinander, der die primäre Funktion der Handlungskontrolle besitzt, Bewusstsein erzeugt und dessen Sorge in der Verantwortung des Menschen liegt (Öz & Kaplick, 2018).

    Wie auch bei anderen Gelehrten finden wir bei Abū Nasr Muhammad al-Fārābī (870-950) kein einzelnes Werk zur Psychologie, Therapie oder Psychiatrie, sondern psychologische Ideen sind über eine Vielzahl von Werken verteilt. al-Fārābī stammte höchstwahrscheinlich aus dem Gebiet der heutigen Türkei und wirkte im heutigen Irak, vor allem in Bagdad, und Syrien. Zu seinen psychologischen Schriften zählen Risāla fī l-ʿaql und Mabādiʾ ārāʾ ahl al-madīna al-fāḍila zum Aufbau der Seele mit aristotelischem Charakter (Haque, 1998; Vahab, 1996). In beiden Werken befasst er sich eingehend mit der Psychologie des Prophetentums und der Vorstellungskraft aus einer kognitiven Perspektive (Nasr & Leaman, 2001). Darüber hinaus war al-Fārābī ein bedeutender Musikwissenschaftler, der sich mit der Musiktherapie auseinander gesetzt hat (Haque, 2004; Husain, 2017). Mit seinem Werk al-madīna al-fāḍila äußerte er sich außerdem zu sozialpsychologischen Aspekten (Achoui, 1998; Düzgüner & Şentepe, 2015; Majeed & Jabir, 2017; Mohammad et al., 2018).

    Referenzen

    Achaoui, M. (1998). Human Nature from a Comparative Psychological Perspective. The American Journal of Islamic Social Sciences, 15(4), 71-98.

    Düzgüner, S., & Şentepe, A. (2015). Characteristic Themes in Psychology of Religion in Turkey: Muslim Thinkers’ Views on Human Psychology and Psychology of Sufism. In Z. Ağilkaya-Şahin, H. Streib, A. Ayten, & R. W. Hood (Eds.), Psychology of Religion in Turkey (pp. 31-50). Leiden, Niederlande: Brill.

    Haque, A. (1998). Psychology and Religion: Their Relationship and Integration from Islamic Perspective. The American Journal of Islamic Social Sciences15, 97–116.

    Haque, A. (2004). Psychology from Islamic Perspective: Contributions of Early Muslim Scholars and Challenges to Contemporary Muslim Psychologists. Journal of Religion and Health, 43(4), 357-377. doi:10.1007/s10943-004-4302-z

    Husain, A. (2017). Contributions of Arab Muslim Scholars to Psychology. In A. Husain (Ed.), Contemporary Trends in Islamic Psychology (pp. 13-25). Hdyerabad, Indien: Centre for Study and Research.

    Majeed, A. & Jabir, K. P. (2017). The Contribution of Muslims and Islamic Concepts: Rethinking and Establishing the Actual Origin of Concepts and Thought in Psychology. The International Journal of Indian Psychology4(2), 68-77.

    Mohammad, A., Elzamzamy, K., Fereydooni, S., Gamar, M., & Awaad, R. (2018). Mental Health in the Islamic Golden Era: The Historical Roots of Modern Psychiatry. in H. S. Moffic, J. Peteet, A. Hankir, R. Awaad, Islamophobia & Psychiatry: Recognition, Prevention, and Treatment (in press).

    Nasr, S. H. & Leaman, O. (2001). History of Islamic philosophy (3rd ed.). London, New York: Routledge.

    Rüschoff, S. I. (1992). Zur Bedeutung des islamischen Religionsverständnisses für die psychiatrische Praxis. Psychiatrische Praxis, 19(2), 39-42.

    Öz, T., & Kaplick, P. M. (2018). Grundbegriffe eines islamischen Persönlichkeitsmodells: Linguistische, exegetisch-theologische und psychologische Perspektiven. In M. Khorchide & A. M. Karimi (Eds.), Jahrbuch für islamische Theologie und Religionspädagogik – Was ist der Mensch. (pp. 111-145). Münster: Kalam Verlag.

    Vahab, A. A. (1996). Section I: An Introduction to Islamic Psychology. In An Introduction to Islamic Psychology. New Delhi: Institute of Objective Studies.

     

  • IASE Tagungsbeitrag 1998: Möglichkeiten und Grenzen islamischer psychosozialer Beratungsarbeit

    Aus der Schatzkiste. Die Wenigsten wissen, dass die IASE seit den 1980er Jahren existiert. Wir haben alte Tagungsbeiträge ausgesucht, um sie wöchentlich hier zu posten. Viel Vergnügen beim Lesen.


    Maria Zepter

     

    Möglichkeiten und Grenzen islamischer psychosozialer Beratungsarbeit sollen am Beispiel der „Psychologischen Beratungsstelle für Muslime und ihre deutschen Angehörigen“ in München dargestellt werden.

     

    Allgemeines

    Die Beratungsstelle besteht seit 1990. Sie wird von fünf Fachleuten (muslimischen psychologischen Psychotherapeuten und Ärzten) betrieben, angebunden sind einige fremdsprachliche Übersetzer. Es existiert keine geregelte Finanzierung, weder durch die Stadt noch durch die Wohlfahrtsverbände. Letzere behindern die Arbeit sogar eher, als Gründe sind die Sorge um eine weitere Verteilung der knappen finanziellen Ressourcen zu vermuten. Obwohl immer wieder darauf angesprochen, kamen auch keine Spenden von den Ratsuchenden, gelegentlich überwiesen deutsche Frauen geringe Beträge. Die Beratungen erfolgten kostenlos, auch die Übersetzer erhielten bis auf Ausnahmen kein Entgelt (glt. erfolgte eine Bezahlung der Dolmetscher durch das Frauenhaus).

    Die Münchner Moschee bot uns Räume an, die wir jedoch nicht nutzten, da zu befürchten ist, dass viele Hilfesuchende Kontrolle und Gerede fürchten und unser Angebot nicht wahrnehmen würden. Wir konnten dafür einen Raum im Kulturzentrum „Kulturschmiede“ nutzen, wo wir auf Klappstühlen saßen, Telefon und ein kleiner Computer standen in der Küche. Trotz dieser Einschränkungen liefen die Beratungen.

    Für Köln bedeutet das, dass eine Beratungsstelle vom Bildungszentrum für muslimische Frauen räumlich getrennt sein müßte, da sonst die Gefahr besteht, dass manche Mädchen nicht mehr kommen dürften.

     

    Aufgaben der Beratungsstelle

    a) Beratung von Muslimen, ihren deutschen Ehefrauen, Freundinnen oder Familienangehörigen. Die Sitzungen erfolgten als Einzel-, Paar- und Familienberatung.

    b) Weiterleitung an (wenn möglich muslimische) Ärzte oder andere Institutionen im Bereich der Gesundheits- und Sozialfürsorge sowie aus­ländische Institutionen. Wichtig waren die Herstellung des Kontaktes und die Terminabsprache durch uns, da sonst viele Klienten gar nicht oder zu falschen Ter-minen dorthin gegangen wären.

    c) Therapie – d.h. kurze therapeutische Kriseninterventionen oder Weiterleitung an muslimische Therapeuten, die mit der Kran­kenkasse abrechnen konnten. Wenn keine guten mus­limischen Therapeuten vorhanden sind, sollten die Klienten ruhig an gute (d.h. gut ausgebildete und in interkultureller Arbeit erfahrene) nichtmuslimische Therapeuten vermittelt werden. Sinnvoll ist hier eine grundsätzliche Kontaktaufnahme zu geeigneten Kollegen.

    d) Beratung anderer Fachleute (Psychiater, Gutachter, Gerichte, Vormundschaftsgerichte), städtischer Stellen z.B. bei der Planung von Veranstaltungen, Ausländervereinen oder auch kirchlicher Stellen etc. Hier sind besonders islamisches Wissen, Kontaktfähigkeit und vor allem das Vermeiden jeglicher Missionierung wichtig.

    e) Die „Bosnien-Arbeit“ nimmt inzwischen einen hohen Stellenwert ein:

    • Beratung und Begleitung zu Ämtern von bosnischen, muslimischen Flüchtlingen, Ausstellen von Attesten etc.

    • Projekt „Frauen aus Omarska“: Sozialpsychologische und therapeutische Begleitung von 12 über-lebenden Frauen aus dem serbischen Konzentrationslager „Omarska“ und deren Kindern. Weiterhin Begleitung zum Kriegstribunal nach Den Haag. Rückkehrhilfe, Spendensammlung.

    • SOS-Telefon für (alle) Flüchtlinge aus Ex-Jugoslawien an zwei Tagen in der Woche mit muttersprachlichen Fachkräften, die von Spenden der Stadt München, der Süddeutschen Zeitung und einigen Frauenvereinen bezahlt wurden.

     

    Klienten:

    Ein Drittel sind praktizierende Muslime aus verschiedenen Ländern, darunter auch relativ viele deutsche Muslime (häufi­ges Problem: das sog. „Konvertiten-Syndrom“, bei dem bei völliger Anpassung und Aufgabe der eigenen Persönlichkeit die Klienten mit dem Übertritt zum Islam von einem rigiden System ins andere wechseln, zumeist bestehen heftige körperliche Beschwerden oder starke Panikattacken).

    Ein weiteres Drittel sind nicht praktizierende Muslime, bzw. Muslime, die sich von der Religion abgewandt haben (z.B. nach einem Gefängnisaufenthalt im Iran), der Großteil sind tunesische, marokkanische und andere Asylbewerber. Hier ist besonders wichtig, dass das Fachliche, die psychologische Beratung im Vordergrund steht. Keine Ahadith oder Koranverse heranziehen, sonst kommen die Klienten nicht wieder. Nach unseren Erfahrungen bringen die Klienten später manchmal selbst das Gespräch auf die Religion.

    Das letzte Drittel stellen binationale Familien, deutsche Frauen muslimischer Männer oder deren Freundinnen vor der Eheschließung. Vielfach handelt es sich um massiv geschlagene, unterdrückte und mißhandelte Frauen. Die Rate der psychischen Störungen liegt bei Asylbewerbern extrem hoch, es finden sich relativ häufig psychiatrische Diagnosen. Wichtig: Wenn klar ist, dass es nur um Heirat zur Erlan­gung der Aufenthaltserlaubnis geht, sollte den Frauen abraten werden.

     

    Wichtige Grundsätze für die Beratungsarbeit

    • Wichtig ist psychologische Beratung von Muslimen für Muslime und nicht islamische psychologische Beratung.

    • Berater müssen große Offenheit für andere besitzen. Statt zu Moralisieren und auf Höllenstrafen zu verweisen sollen die Konsequenzen des jeweiligen Handelns wertfrei aufgezeigt und die Verantwortung des Menschen dafür betont werden. Besonders wichtig ist dieses bei Problemen vorehelicher Kon­takte von Jugendlichen oder jungen Frauen.

    • Die fachliche Kompetenz steht im Vordergrund, islamische Aspekte bleiben (vorerst) im Hintergrund. Die Beratung darf nichts Missionarisches haben, keine „Büje- oder Peri-Geschichten“ (häufige türkische Erklärung für psychiatrische Phänomene und psychotische Erkrankungen: Dschinnen oder der böse Blick), sondern fachliches Wissen, kombiniert mit Kenntnis des Islam und der Sharia. Der Berater sollte niemals die Lebensweise seines Klienten als „islamisch richtig“ oder „islamisch falsch“ bewerten.

    • Offen sein für sog. „Papier-Muslime“ oder der Religion Entfernte. Es ist sinnvoll, den Kontakt über Themen wie Landeskunde oder den Ausländerstatus und nicht über den Islam herzustellen und aufrecht zu erhalten. Später geht vielleicht ein Signal vom Klienten aus, aus dem sich etwas entwickeln kann. Das ist auch wichtig für den Ruf und das Ansehen der Beratungsstelle bei der Stadt und anderen Institutionen. Islamische Beratungs­arbeit wird ja auch in den Moscheen geleistet oder von bestimmten religiösen Gruppen. Die psychologische Beratungs­arbeit muß sich am Fachlichen orientieren.

    • Fest im Islam sein und sich nicht vom Mißbrauch des Islam durch viele Klienten deprimieren lassen. Davon ausgehen, dass es alles (Betrug, Inzest, Mißbrauch, schwerste seelische und körper­liche Mißhandlungen) auch unter Muslimen gibt.

    • Für ausreichende Supervision sorgen, vor allem in der Anfangszeit. Bei Anträgen um finanzielle Unterstützung sollte ein Super­visionshonorar mit angesetzt werden.

    • Telefonische Sprechstunde, auf Anrufbeantworter genaue Angabe der Zeiten, evtl. Notrufnummer für dringende Fälle (Vorsicht: wird oft mißbraucht. Wir haben es nach einiger Zeit aufgegeben und täglich den Anrufbeantworter abge­hört). Beim Zurückrufen sollte man sich nicht mit „Beratungsstelle“ melden, sondern neutral. Immer fragen, ob es gerade paßt oder besser ein anderes Mal. Wenn der Ehemann abnimmt, kann es besser sein, wieder auflegen und zu warten, bis man ein anderes Mal die Frau di­rekt erreicht.

    • Aus Gründen der Finanzen und der Arbeitsüberlastung führten wir einen halben Tag Beratungsgespräche in der Beratungsstelle durch. Telefonische Sprechstunden und sonstige Beratungen bzw. Therapien fanden in den Praxen der jeweiligen Therapeuten statt.

    • Es fällt viel Sozialarbeit an. So ist die Bereitschaft wichtig, den Beratungsraum zu verlassen und Klienten z.B. zu Ämtern begleiten. Hier kann der Berater durch Lernen am Modell Hilfe zur Selbsthilfe geben (Schreiben von Briefen, Ausfüllen von Formula­ren). Keinesfalls geht es darum, dem Klienten einfach die Arbeit abzunehmen.

    • Zusammenarbeit mit Imamen und Hodschas, jedoch nur mit denen, die man kennt, denen man vertrauen kann und die die Schweigepflicht einhalten (das sind unseren Erfahrungen nach eher wenige).

     

    Grenzen der Beratungsarbeit

    • Fehlende finanzielle Unterstützung (weder von der Stadt, dem Staat, den Wohlfahrtsverbänden oder den Moscheen) setzt der Arbeit Grenzen.

    • Sehr schwierige Klientel, häufig besteht nur geringe Therapiefähigkeit

    • „Benutzermentalität“ der Klienten: ein Klient wollte z.B., dass nach der Beratung die Beraterin auf die Kinder aufpaßt, weil sich der Ehemann mit seiner Frau das neue Auto anschauen wollte („unter Muslimen ist das doch üblich“) oder: In einem klaren, ärztlich und gerichtlich belegten Fall von Mißbrauch wollte der muslimische Täter ein Gegengutachten, „weil die Mus­lime doch zusammenhalten müssen“ gegen die deutschen Gerichte.

    • In der Therapie sind nicht alle Methoden anwendbar (z.B. schwierig mit der klassischen Psychoanalyse, Katathymem Bildererleben, bestimmte Gestaltübungen etc.), hier muß man eigene Methoden entwickeln oder kombinieren. Viele Therapiemethoden, vor allem systemische, sind aus islamischer Sicht sehr brauchbar.

    • Klare Abgrenzung zur Sozialarbeit, finanzielle Unterstützung, Wohnungs- und Arbeitsvermittlung etc.

    • Übersetzer-Problem

    • Eigene psychische Grenzen beachten. Inzest, Mißbrauch, sexuelle Perversionen: alles kommt vor.

     

    Wir haben in München klein und bescheiden angefangen und wichtige Erfahrungen gemacht. Aus un-seren Fehlern haben wir gelernt. Wir mußten auch lernen, unsere Ohnmacht zu akzeptieren und haben doch viel erreicht in den Jahren.

    Inzwischen haben wir uns in München einen sehr guten Ruf erworben.

  • Blogreihe: Die Terra Incognita der islamischen Psychologie – Woche 5

    Intelligenz, Ethik, Psychosomatik

    Die religiöse Bedeutung mentaler Gesundheit wurde von frühen muslimischen Gelehrten umfassend besprochen. So gilt psychische Gesundheit und mentale Fassungskraft in einem juristischen Kontext als Bedingung für religiöse und soziale Gebote wie dem rituellen Gebet, dem Abschluss von Eheverträgen oder wirtschaftlicher Transaktionen. Darüber hinaus gilt die Bewahrung des Intellekts neben der Bewahrung der Religion/Glaube, des Lebens, der Familie und des Besitzes als Zielsetzung der islamischen Legislation. Muslimische Gelehrte haben sogar starke emotionale Zustände wie die Wut als Hindernis für die Entscheidungsfindung angesehen, so sollte zum Beispiel ein Richter niemals in einem Zustand der Wut Urteile fällen (Mohammad et al., 2018; Keshavarzi & Ali, 2018).

    Nachdem wir uns letzte Woche mit al-Balchī auseinander gesetzt haben, setzen wir unsere psychologische Sichtung der Texte früher muslimischer Gelehrter mit Abū Bakr Muḥammad ibn Zakaryā ar-Rāzī (854 – 925 n. Chr.) fort. Dieser wurde in Rayy, in der Nähe vom heutigen Teheran (Iran) geboren und ist in der Psychologie für sein al-Tibb al-ruhani bekannt, in dem er die moralischen und psychologischen Krankheiten der Seele bespricht (Husain, 2017). Weitere Werke umfassen al-Hāwī fī al-tibb, al-mujarrabāt und Kitāb al-Manṣūrī fī al-ṭibb. Das umfassende Buch der Medizin gilt als größte medizinische Enzyklopädie, die von einem Muslim verfasst wurde und beinhaltet ein Kapitel zu den Krankheiten des Kopfes, in dem auch neurologische und psychiatrische Krankheiten beschrieben werden (Mohammad et al., 2018). Er gilt als einer der ersten Vertreter einer spirituellen bzw. psychologischen Medizin und maß der Ethik in der Behandlungspraxis einen hohen Stellenwert bei (Nasr & Leaman, 2001). Darüber hinaus hat sich ar-Rāzī mit der Therapie psychosomatischer Symptomatik (Syed, 2002), mit dem Konzept der Hoffnung und positiven Gefühle im Genesungsprozess (Mohammad et al., 2018) und der Intelligenz beschäftigt (Haque, 2004). Er soll das Konzept der Psychose im Detail beschrieben haben (Awaad, 2017). Einige Autoren schlagen ar-Rāzī als ersten Chefarzt in der Geschichte vor, der eine psychiatrische Abteilung im Hospital in Bagdad errichtet hat (Husain, 2017; Syed, 2002). Payk (2005) weist jedoch darauf hin, dass diese Abteilung erst im Jahr 981, also knapp 60 Jahre nach ar-Rāzīs Tod, gegründet wurde. Die psychologische Literatur weist damit einige Inkonsistenzen in Bezug auf ar-Rāzīs Wirken auf.

    Referenzen:

    Awaad, R. (2017, September). Historical and Islamic Scholarly Roots of Mental Health. Paper präsentiert auf dem Islamic Models of Nurturing Psychological and Spiritual Health Konferenz des Khalil Centers, Islamic Center at New York University.

    Haque, A. (2004). Psychology from Islamic Perspective: Contributions of Early Muslim Scholars and Challenges to Contemporary Muslim Psychologists. Journal of Religion and Health, 43(4), 357-377. doi:10.1007/s10943-004-4302-z

    Husain, A. (2017). Contributions of Arab Muslim Scholars to Psychology. In A. Husain (Ed.), Contemporary Trends in Islamic Psychology (pp. 13-25). Hdyerabad, Indien: Centre for Study and Research.

    Keshavarzi, H & Ali, B (2018). Islamic Perspectives on Psychological and Spiritual Well-being and Treatment, in H. S. Moffic, J. Peteet, A. Hankir, R. Awaad, Islamophobia & Psychiatry: Recognition, Prevention, and Treatment (in press).

    Mohammad, A., Elzamzamy, K., Fereydooni, S., Gamar, M., & Awaad, R. (2018). Mental Health in the Islamic Golden Era: The Historical Roots of Modern Psychiatry. in H. S. Moffic, J. Peteet, A. Hankir, R. Awaad, Islamophobia & Psychiatry: Recognition, Prevention, and Treatment (in press).

    Nasr, S. H. & Leaman, O. (2001). History of Islamic philosophy (3rd ed.). London, New York: Routledge.

    Payk, T. (2005). Psychiatrie im frühen Islam. In H. J. Assion (Ed.), Migration und seelische Gesundheit (pp. 21-28). Heidelberg, Deutschland: Springer, 21-28.

    Syed, I. B. (2002). Islamic Medicine: 1000 years ahead of its time. Journal of Islamic Medical Association2, 2-9.

  • IASE Tagungsbeitrag 1998: Zwischen Caritas und Diakonie – zur Bedeutung einer islamischen psychosozialen Beratungsarbeit

    Aus der Schatzkiste. Die Wenigsten wissen, dass die IASE seit den 1980er Jahren existiert. Wir haben alte Tagungsbeiträge ausgesucht, um sie wöchentlich hier zu posten. Viel Vergnügen beim Lesen.


    Ibrahim Rüschoff

     

    Im Folgenden sollen in einem ersten Schritt einige Bemerkungen zur Situation der psychosozialen Versorgung der Muslime gemach werden, dann folgen einige Grundsätze zum Islam, die für eine Beratung von Belang sind. Daraus möchte ich in einem zweiten Schritt einige Folgerungen für eine islamische psychosoziale Beratungsarbeit ableiten, um zum Schluß wichtige Aspekte der Praxis zu beleuchten und einige Hinweise auf islamische Aktivitäten in dieser Richtung zu geben. Die Begriffe Berater/Therapeut werden hier sowohl synonym als auch für beide Geschlechter benutzt.

     

     

    Wie ist die aktuelle Situation (1998)?

     

    Seit über dreißig Jahren leben Tausende ausländische Mitbürger unter uns, inzwischen sind es mehrere Millionen, davon über 2 Mio. Muslime. Sie sind ein nicht mehr wegzudenkender Teil unserer Gesellschaft geworden und prägen sie als deutsche und ausländische Mitbürger mit.

    Die psychosoziale Versorgung von Muslimen in Deutschland erfolgt nicht zuletzt auch aus historischen Gründen nahezu ausschließlich aus der Perspektive einer Ausländerberatung, allenfalls noch unter kulturellem Aspekt. Inzwischen erfordert die Situation der zweiten und der heranwachsenden dritten Generation, die fließend Deutsch spricht, jedoch andere Schwerpunkte und vor allem eine Trennung von der Ausländerfrage, da die meisten dieser Mitbürger Deutschland als ihre Heimat ansehen und hier auch auf Dauer leben werden.

    Wichtigstes Problem der muslimischen Bevölkerungsgruppe ist auch in Zukunft die Integration in unsere Gesellschaft, die bei Religionen, die vom Christentum so verschieden sind wie das Judentum und der Islam, nicht so leicht erfolgt wie bei den hier lebenden katholischen Italienern oder auch orthodoxen Griechen.

    Sieht man die deutschsprachige Literatur zur Migrationspsychologie /-psychiatrie durch, so erscheint das Thema Islam sehr selten. Auch beim Stichwort „Integration“ wird der Islam nur wenig berücksichtigt. Das erklärt sich einerseits daraus, dass den (oft nichtmuslimischen) Autoren hier zumeist die entsprechende Kompetenz fehlt. Darüber hinaus ist jedoch zu vermuten, dass diese Tatsache auch Einstellungen deutlich macht, die den Islam als fremde, unzeitgemäße Erscheinung und als ein zu überwindendes Integrationshindernis wahrnehmen. Die Hinwendung der Muslime zu ihrer Religion wird fast ausschließlich unter dem Aspekt einer Radikalisierung durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Benachteiligung gesehen. Das Kopftuch einer Muslimin wird als bedrohlich empfunden und dem negativen Einfluß uneinsichtiger Väter und Ehemänner zugerechnet, kaum jedoch als Ausdruck einer positiven, islamischen Identität seiner Trägerin verstanden.

     

     

    Warum islamische psychosoziale Beratung und welchen Zielen dient sie?

     

    Jeder, der Muslime kennt, weiß, wie weit der Islam das Leben praktizierender Muslime prägt. Wie ist das zu erklären?

    Das Selbstverständnis des Islam als Religion unterscheidet sich (wie das Judentum) grundlegend von dem des Christentums: Kein Aspekt des täglichen Lebens wird als zu gering geachtet, um nicht als Gottesdienst verstanden zu werden. Eine Unterscheidung in „profan“ und „sakral“ existiert als Folge der konsequent monotheistischen Gottesauffassung nicht. Aus der Einheit Gottes folgt die Einheit der Welt. Jede Handlung des Menschen (auch psychosoziale Beratung!), sogar Schlafen, Wachen, Essen und Trinken, ist Gottesdienst, soweit der Mensch sie vollzieht, um vor Gott wohlgefällig zu handeln (vgl. Falaturi 1982). Das verleiht dem Islam einen ausgeprägten Handlungscharakter, er wird zu einer „geheiligten“ Lebensweise, die dem Menschen auf dem Weg zu seiner Vervollkommnung Hilfe und Unterstützung leisten soll. Das bedingt religiöse Regeln und Gebote, die den Tageslauf merklich prägen.

    Die wichtigste Konsequenz aus dieser Tatsache im Beratungs- und Therapiegeschehen mit Muslimen ist, dass sich Therapeut und Klient immer auf religiösem Gebiet bewegen. Dieser Aspekt ist dem säkularisierten Menschen der westlichen Welt erfahrungsgemäß am schwierigsten zugänglich und führt immer wieder zu schwerwiegenden Mißverständnissen. Ob Therapeuten und Berater wollen oder nicht, sie behandeln mit ihren Klienten Themen, die sie bei Christen eher dem Seelsorger überlassen würden. Fragen der Geldanlage, Erbangelegenheiten, der Kindererziehung und des Ehelebens haben für praktizierende Muslime dieselbe religiöse Bedeutung wie das Gebet und das Fasten und sind keineswegs beliebig lösbar. Ein praktizierender Muslim wird großen Wert darauflegen, dass die möglichen Problemlösungen mit dem Islam in Übereinstimmung stehen bzw. diesem nicht widersprechen. Es ist offensichtlich, dass ein nichtmuslimischer Berater/Therapeut hier schnell überfordert ist. Er müßte nicht nur einzelne islamische Regeln und Gebote kennen, nicht nur die Verfahrensweisen z.B. bei einer Ehekrise bzw. Scheidung beherrschen, sondern diese auch in die Gesamtheit islamischer Lebenspraxis in einer nichtmuslimischen Gesellschaft einordnen. Er müßte ein umfangreiches Wissen der religiösen Grundlagen (Koran und Sunna) haben. Doch selbst dann wäre es für ihn als Nichtmuslim sehr problematisch und eigentlich unmöglich, die Zulässigkeit bestimmter Lösungen aus islamischer Perspektive zu beurteilen und sie dem Klienten möglicherweise zu empfehlen. Aber auch ein islamischer Berater/Therapeut wird hier schnell an seine Grenzen stoßen und ohne eine spezielle Weiterbildung und Kontakte zu Fachgelehrten nicht auskommen.

    Im Folgenden soll eine islamisch orientierte, psychosoziale Beratung auf drei Ebenen betrachtet werden: Auf einer ersten, allgemeinen Ebene ist das Ziel jeder Beratung eine Konfliktlösung, verbunden mit einer verbesserten Fähigkeit zur Selbsthilfe und Eigenverantwortlichkeit. Dieses entspricht ohne Einschränkung einer islamischen Sichtweise, nach der Mensch sich eigenverantwortlich handelnd Gott anheimstellt und sich dafür am Tage des Gerichts verantworten muß. Eine dergestalt orientierte Beratungsarbeit ist nicht nur für Muslime, sondern für alle Menschen möglich.

    Auf einer zweiten, speziellen Ebene erlangt eine islamisch orientierte Beratung eine zusätzliche Dimension vor dem Hintergrund des islamischen Menschenbildes: Der Muslim ist aus islamischer Perspektive stets ein zweifach Bezogener: Seine Beziehung zu Gott ist geprägt durch das göttliche Element, das der Mensch seit seiner Erschaffung in sich trägt (Koran 32:9) und seine Natur (fitra) auf die Gottergebenheit, d.h. Islam, ausrichtet. Andererseits ist er stets Mitglied seiner Gemeinschaft, der Umma. In ihr wirkt Gott auf eine besondere Weise, in dem er ihre Rechte zu seinen eigenen macht und so in ihr gewissermaßen präsent wird. Hierdurch ist die Umma mehr als nur die Summe ihrer Mitglieder und erhält – psychologisch gesehen – eine eigene Gestaltqualität.

    Das islamische Menschenbild ist von Optimismus, aber auch von Realitätssinn geprägt. Der Mensch beherbergt den Geist Gottes in sich und verfügt über die Anlage zu Entwicklung und Vervollkommnung, die in Erziehung und Bildung gefördert und in der Beratung genutzt werden kann. Er ist zwar auch sündhaft und schwach, jedoch nicht grundsätzlich verworfen. Schuld und Reue werden streng persönlich verstanden, es existiert kein Raum für eine grundsätzliche Erlösungsbedürftigkeit, da Gott dem wirklich Reumütigen verzeiht. Die Freiheit des Menschen bedingt einerseits seine Größe unter den Geschöpfen, andererseits jedoch auch seine Eigenverantwortlichkeit und damit die Möglichkeit des Scheiterns.

    Für das Verhältnis der Muslime untereinander ist der Gedanke der Brüderlichkeit bestimmend, die ein Symbol für die Gemeinschaft darstellt (Koran 3:103). Die Brüderlichkeit hat im Islam eine ganz besondere Färbung und unterscheidet sich von bloßer Philanthropie nicht zuletzt dadurch, dass der Muslim seinen Glaubensbruder sozusagen „per oculos dei“ als unverzichtbaren Teil der Umma erlebt. Diese Gemeinschaft charakterisiert der Prophet als einen Körper, der insgesamt leidet, wenn ein Glied erkrankt ist. Darüber hinaus ist es Aufgabe der Gemeinschaft, „Frieden zu stiften“ (Koran 49:10). Das bedeutet auch, (psychische) kranken Mitgliedern zu helfen, den eigenen Mittelpunkt wieder zu erlangen, wodurch erst ein friedvoller Umgang miteinander möglich wird.

    Ziel einer islamischen Beratung ist es auf dieser Ebene, dem Klienten zu helfen, wieder zu einem ausgewogenen, ihm gemäßen, selbst gestalteten und verantworteten Verhältnis zu Gott und der Gemeinschaft zu gelangen.

    Kam bisher die Bedeutung einer islamischen Beratung für die Muslime und ihre Gemeinschaft zur Sprache, so will der Islam als Weltreligion und in seinem Selbstverständnis als friedensstiftende Daseinsordnung seiner Verantwortung Gott und der Welt gegenüber gerecht werden und als Teil unserer gesellschaftlichen Realität zu einem gedeihliches Miteinander beitragen. Daher hat eine islamische psychosoziale Beratung eine wichtige Bedeutung auch auf einer aktuellen gesellschaftlichen Ebene: Aus dem oben beschriebenen Handlungscharakter des Islam und seinen praktischen Konsequenzen im Alltag ergibt sich für Muslime in einer nichtmuslimischen Gesellschaft die Notwendigkeit, Anforderungen der Umwelt (Schule, Beruf etc.) mit den eigenen Vorstellungen einer islamischen Lebensweise in Einklang zu bringen. Dabei ist von außerordentlicher Bedeutung, dass eine zufriedenstellende Integration sowohl des Islam als auch der Muslime in die bundesrepublikanische Gesellschaft gelingt, nicht zuletzt um den sozialen Frieden zu sichern. Integration kann jedoch nicht einfach Assimilation oder unkritische Übernahme der Sitten und Gebräuche der Umgebung bedeuten, sondern aktive Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben der Gesellschaft unter Wahrung der religiösen Identität. Damit diese gelingen bzw. erhalten werden kann, muß die Gesellschaft den Muslimen zur eigenen Lebensgestaltung Freiräume einräumen, über die z.B. die Kirchen auch verfügen (Moscheebau, Schulen in privater Trägerschaft, Religionsunterricht, Anspruch auf Urlaub an Festtagen etc.).

    Viele der ursprünglich als Arbeitsmigranten eingereisten Muslime stammen aus wirtschaftlich schwach entwickelten Gebieten und verfügen oft nur über eine unzureichende allgemeine und religiöse Bildung. Sie halten ihre Lebensweise für islamisch und bemerken die Verquickung mit regionalen, orientalischen Traditionen nicht. Nicht die Religion, der Islam, sondern gerade diese Vermischung erweist sich als größtes Integrationshindernis, was besonders bei der Behandlung der Frau deutlich wird. Islamische psychosoziale Beratung soll nun den Menschen helfen, ihre islamische(?) Lebensweise auf ihre religiösen Grundlagen (Koran und Sunna) hin zu befragen und davon kulturelle Bestandteile zu unterscheiden (z.B. Verheiratung der Kinder durch die Eltern, Verbannung der Frau aus der Öffentlichkeit, „Başlik“ etc.). Ein Islam in Europa darf kein orientalisches, sondern muß ein europäisch-islamisches Gesicht haben, es widerspräche sonst seinem Charakter als Weltreligion. So verstanden leistet eine islamische Beratung eine äußerst wichtige Hilfestellung bei der gesellschaftlichen Integration von Muslimen. Das wird besonders deutlich, wenn man bedenkt, dass für das angesprochene Klientel derzeit vor allem die Hocas in den Moscheen als Ansprechpartner bei Problemen dienen. Diese Hocas werden, zumindest in den Moscheen der türkischen Religionsbehörde, regelmäßig ausgewechselt, sprechen (vielleicht deshalb?) zumeist nahezu kein deutsch, bewegen sich fast nur im Umfeld der Moschee und haben so kaum Zugang zur Lebenswirklichkeit ihres Klientels und der Gesellschaft. Integrationshilfe ist auf diese Weise nicht möglich.

    Ein Großteil der muslimischen Jugend (insbesondere auch der Mädchen) fühlt sich von dem in Elternhaus vermittelten Islambild kaum noch angesprochen und gerät dadurch in ein religiös-lebenspraktisches Normenvakuum, das bei gleichzeitiger gesellschaftlicher Benachteiligung durchaus soziale Brisanz besitzt. Hier kann eine islamische psychosoziale Beratung zeitgemäße und gleichzeitig islamische Alternativen aufzeigen und somit auch versuchen, Normen- und Ethikverlust zu begegnen. Dabei ist eine auf Gott und die Religion gegründete Ethik der wirksamste Schutz gegen Radikalisierung, Kriminalität und die unkritische Übernahme aller möglichen negativen gesellschaftlichen Leitbilder.

    Islamische psychosoziale Beratung versteht sich somit als Ergänzung des bestehenden Spektrums von Beratungsangeboten vorzugsweise für eine bisher unterversorgte Bevölkerungsgruppe, die als praktizierende Muslime durch ihre Religion und Lebensweise spezielle Anforderungen an Beratung und Berater stellt.

     

     

    Wie ist eine islamische Beratung grundgelegt – was macht das Islamische aus?

     

    Islamische Beratung erfolgt auf der Grundlage und aus dem Geist der koranischen Offenbarung sowie der islamischen Überlieferung und orientiert sich an zentralen Begriffen wie Barmherzigkeit (rahma), Gottesfurcht (taqwa), Gerechtigkeit (cadl) und Toleranz (tasamuh).

    Wir haben vor einigen Jahren in einem Vortrag von A. Falaturi etwas über die gesunde und die gestörte Seele gehört. Zum Menschenbild habe ich eben einige Ausführungen gemacht, die das Thema jedoch nur knapp streifen können und in der Konzeptgruppe vertieft werden müssen.

    Neben Krankheitsverständnis und Menschenbild ist die Frage angemessener Therapie- und Beratungs-methoden für die Praxis von unmittelbarer Bedeutung.

    Die Diskussion um eine islamische Psychotherapie und damit auch um islamische Therapieverfahren wird teilweise sehr kontrovers geführt. Die Positio­nen reichen von einer totalen Ablehnung westlicher Methoden und Schulen bis hin zu deren unkritischer Übernahme. Die Psychoanalyse ist zumeist das Paradebeispiel einer „gottlosen“ Psychotherapie, die den Menschen als Triebbündel sieht, und dass Freud Jude war, ist auch nicht gerade von Vorteil. Ähnliches gilt für die Verhaltenstherapie und das Menschenbild Skinners. Hier wird auch heute immer noch auf die Aussagen der Schulengründer recurriert und die weitere Ent­wicklung der Therapierichtung kaum berücksichtigt.

    Wie können dieses Thema in der Diskussion noch aufgreifen, hier jedoch soviel zu meiner eigenen Position:

    Wie ist das Weltbild der Naturwissenschaften, zu denen sich ja auch die Medizin zählt? Vereinfacht gesagt, beschränken sie sich methodisch darauf, die Welt einmal unter dem Aspekt zu betrachten, was sich an ihr zählen, wiegen und nach den Gesetzen der Logik erfassen läßt. Gott läßt sich auf diese Weise nicht handhaben und erfahren und bleibt daher außerhalb der Diskussion, obwohl wir als Muslime wissen, dass er sehr wohl ständig präsent ist und wirkt. Durch diese methodische Beschränkung können Wissenschaftler aller Religionen und Kulturen zu denselben Ergebnissen gelangen. Auch muslimische Wissenschaftler rechnen und forschen nach denselben mathematischen und chemischen Formeln und operieren mit denselben Methoden. Das können sie auch getrost, denn sie wissen, dass es sich hier um Abbildungen, um methodisch abstrahierte Vorstellungen des Menschen handelt. Die wissenschaftlichen Metho­den sind gewissermaßen mehr oder weniger genaue „Landkarten“ des Menschen und der Welt, und nur in der Psychologie scheint die Gefahr zu bestehen, diese mit den Landschaf­ten selbst zu verwechseln. Wenn ich z.B. einen Patienten mit einer isolierten Pho­bie behandeln muß, dann werde ich Verhaltenstherapie anwenden, weil das die Methode der Wahl ist und schnell hilft, auch wenn der Begründer der VT ein Menschenbild hatte, dass aus islamischer Sicht viel zu kurz greift.

    Die Benutzung „etablierter“ Verfahren erfordert allerdings, dass wir sie kritisch im Licht des Islam be-trachten und bei eindeutigen Widersprüchen (z.B. viele sog. Körperverfahren in der „Psychoszene“) aussortieren. Die Benutzung „etablierter“ Verfahren erfordert aber auch, dass wir ständig darum bemüht sein sollten, auch in den Wissenschaften Methoden bzw. „Landkarten“ zu entwickeln, die der Landschaft möglichst nahekommen, d.h. unser islamisches Menschen- und Weltbild umfassend enthalten. Dieses Bemühen kann man dann „Islamisierung der Wissenschaften“ nennen, und aus dieser Sicht braucht sich auch kein Nichtmuslim zu ängstigen.

    Das Islamische in der Beratung/Therapie wird so von drei Seiten bestimmt:

    Von den Grundlagen: Das Welt- und Menschenbild und Krankheitsverständnis, wie es in Koran und Sunna zutage tritt.

    Von den Methoden: Diese werden aus der Sicht des Islam kritisch beurteilt und ggf. auch verworfen.

    Von der Klientel: Hilfe bei der Verwirklichung eines islamischen Lebensstiles, besonders in einer nichtislamischen Umgebung mit der Notwendigkeit der Integration und Teilnahme.

     

     

    Wie kann eine islamisch grundgelegte psychosoziale Beratung/Therapie in der Praxis aussehen?

     

    Gibt es überhaupt einen Bedarf seitens der Klienten?

    Die psychosoziale Versorgung der ausländischen Mitbürger und damit auch der Muslime läßt sehr zu wünschen übrig. Der Bedarf an gut ausgebildeten, zweisprachigen Beratern und Therapeuten, die auch Erfahrungen mit dem kulturellen Hintergrund ihrer Klienten haben, ist groß und nicht annähernd gedeckt. So wird auch in Zukunft im Spektrum der psychosozialen Versorgung für Muslime ein bikultureller und auch muttersprachlich orientierter Beratungsansatz unverzichtbar sein und einen hohen Stel-lenwert behalten, wurzeln doch viele Probleme der Ratsuchenden in interkulturellen Konflikten.

    Andererseits leben nicht nur allein 600.000 türkische Jugendliche in Deutschland, die zumeist hier aufgewachsen sind, sondern auch 500.000 Muslime mit deutschem Paß, davon ca. 150.000 deutscher Abstammung. Therapeuten, von denen bekannt ist, dass sie praktizierende Muslime sind, erhalten gerade wegen dieser Eigenschaft immer wieder Nachfragen nach Beratungen oder Therapieplätzen. Die Ratsuchenden hoffen und vermuten, dass wir aus einem anderen Geist heraus tätig sind und sie hier eine Dimension einbeziehen können, die Gott quasi im Geschehen präsent sein läßt.

    Aus diesen Gründen sollte eine islamische psychosoziale Versorgung dort, wo es notwendig ist, einen bikulturellen und auch bilingualen Ansatz verfolgen, darüber hinaus aber auch die Gewähr dafür bieten, dass islamische Aspekte und Ansätze soweit zum Tragen kommen können, wie sie der Klient als für sich verbindlich erlebt und akzeptiert.

    Ein solchermaßen umfassender Ansatz fordert bestimmte Therapeuteneigenschaften. Neben den „klassischen“ Therapeutenvariablen Echtheit, Wertschätzung und einfühlendes Verstehen ist besonders die Identifikation des Beraters mit dem Islam von Bedeutung, denn gerade die setzt ein praktizierender Klient ja voraus. Der Klient muß seinem Gegenüber als Berater und Muslim sozusagen „doppelt vertrauen“ und absolut sicher sein können, dass ihm die in der Beratung vorgestellten Lösungen nicht nur weiterhelfen, sondern auch der islamischen Lehre nicht widersprechen. Berater sollten deshalb praktizierende Muslime sein, nicht zuletzt um auch eine unaufdringliche, aber ermutigende Vorbildfunktion geben zu können, dass man als Muslim auch in einer nichtislamischen Umgebung nach den Weisungen seiner Religion leben kann (vgl. Rüschoff 1989).

    Die Echtheit des Beraters und seine Wertschätzung des Klienten verdienen besonders bzgl. der therapeutischen Neutralität besondere Beachtung. Ein praktizierender muslimischer Berater wird bei seinen Klienten sehr häufig mit einem Verhalten konfrontiert, das der islamischen Lehre widerspricht, dennoch in der Gesellschaft allgemein als akzeptiert gilt (z.B. Zusammenleben unverheiratete Paare), da natürlich auch muslimische Klienten das gesamte Spektrum von streng religiös bis säkularisiert bieten. Um hier eine gute Beratungsqualität sicherzustellen und eine unreflektierte Einflußnahme zu verhindern, sind eine umfassende Ausbildung in einem bewährten Therapieverfahren als auch ausreichende Selbsterfahrung und begleitende Supervision erforderlich.

    Eine islamische psychosoziale Versorgung umfaßt neben der üblichen Einzel- und Familienberatung auch einen beträchtlichen Teil praktische Sozialarbeit. Der Klient wird nicht nur mit Sitten und Gebräuchen der Gesellschaft konfrontiert, sondern auch mit deren Rechtsnormen. Er benötigt evtl. Informationen zum Erb- und Familienrecht, zu Versicherungen u.a.m., da diese Dinge für ihn unter islamischen Gesichtspunkten eine wichtige Rolle spielen. Der Berater muß evtl. Kontakte zu Behörden und Schulen herstellen, Gespräche mit Lehrern, Erziehern und seinen Klienten führen u.a.m. Die genannten Aspekte unterstreichen die Notwendigkeit einer zusätzlichen umfassenden islamischen Ausbildung des Beraters, der verläßlich und glaubhaft sämtliche Möglichkeiten aber auch die Grenzen einer Adaptation gesellschaftlicher Strukturen und Elemente mit seinen Klienten ausloten muß.

    An welche Klientel wendet sich eine islamische psychosoziale Beratung? Grundsätzlich ist sie, wie die katholische und evangelische Beratung auch, neutral und für alle Bürger offen und wendet sich daher auch an alle Ratsuchenden, gleich welcher Religion. Sie soll darüber hinaus jedoch einem praktizierenden muslimischen Klientel Zugang zu psychosozialen Versorgungssystemen verschaffen, das bisher mit seinen Schwierigkeiten allein geblieben ist, aus welchen subjektiven und objektiven Gründen auch immer. Der Klient muß dort abgeholt werden, wo er steht. Auch strenggläubigen Muslimen muß ein Zugang möglich und z.B. eine Beratung von Frauen durch Frauen und Männer durch Männer gewährleistet sein etc. Wie weit das alles gelingt, bleibt abzuwarten, der Versuch muß jedoch unbedingt unternommen werden.

     

     

    Literatur

    Falaturi, A.(1982): Tod-Gericht-Auferstehung in koranischer Sicht. In: Falaturi, A., W. Strolz, Sh. Talmon (Hg.): Zukunftsvorstellungen und Heilserwartung in den monotheistischen Religionen. Freiburg, Basel, Wien (Herder), S. 121-138.

    Die Bedeutung des Koran (1996), 5 Bde., München (SKD Bavaria).

    Rüschoff, S. Ibrahim (1989): Zur psychosozialen Versorgung der Muslime in der Bundesrepublik. In: Wege zum Menschen 41, S. 323-330.

  • Blogreihe: Die Terra Incognita der islamischen Psychologie – Woche 4

    Kategorisierung psychischer Störungen, Psychosomatik

    Unseren vierten Blogbeitrag zur Terra Incognita der islamischen Psychologie widmen wir Abū Zaid al-Balchī (850-934). Wie bereits zu Beginn dieser Reihe erwähnt, stammt das prominenteste Beispiel der Beiträge früher muslimischer Gelehrter zur modernen Wissenschaft von al-Balchī, einem im Norden des heutigen Afghanistans geborenen Universalgelehrten des 9. Jahrhunderts. Seine Texte haben unter muslimischen Psychologen die wohl weitläufigste Rezeption gefunden.

    al-Balchīs bedeutendstes Werk mit Relevanz zur Psychologie ist Maṣāliḥ al-abdān walanfus (Die Erhaltung des Körpers und der Seele, in Übersetzung bei: Badri, 2013; Özkan, 1990). Dieser Text ist in nicht-fachlichem Arabisch geschrieben, um es auch dem Laien leicht verfügbar zu machen und in zwei Teile gegliedert: Maṣāliḥ al-abdān, in dem die physische Gesundheit und Krankheitsprävention behandelt werden und Maṣāliḥ alanfus, der Teil zur psychischen Gesundheit. Der Titel nimmt bereits die Idee der Psychosomatik vorweg (Awaad, 2017). Die enthaltenen Klassifikationen und Definitionen der Angst- (Awaad & Ali, S., 2016) und Zwangsstörungen (Awaad & Ali, S., 2015) weisen bemerkenswerte Ähnlichkeiten mit heutigen Konzeptualisierungen z.B. im DSM-5 auf und haben dadurch wichtige transkulturell-diagnostische Implikationen (Haque et al., 2016). Somit sind historische Zuschreibungen wie die, dass Robert Burton 1621 erstmalig die Zwangsstörung beschrieb oder dass die Zwangsstörung ein modernes Phänomen ist, nachdrücklich zu überdenken.

    al-Balchī klassifizierte psychische Störungen seinerzeit in vier Kategorieren: Wut (al-ghadab), Traurigkeit und Depression (al-Jaza‘), Furcht und Phobien (al-Faza‘) und Obsessionen (Khalili et al., 2002). Die Depression untergliederte er in alltägliche, normale Traurigkeit, endogene Depression mit körperlichem Ursprung und die reaktive Depression mit Ursprung außerhalb des Körpers (Haque, 2004). Parallelen mit zeitgenössischen Systemen wie dem DSM oder ICD fielen Babai (1999) auch bei Ibn Sina (siehe Blogbeitrag 9) auf und er konstatierte, dass der Einfluss des Gedankengutes früher muslimischer Gelehrte auf die gegenwärtigen diagnostischen Manuale nur schwer auszuschließen sei. Verschiedentlich wird al-Balchī der Ursprung der Verhaltenstherapie zugesprochen und er wird als erster kognitiver Psychologe gehandelt (Badri, 1998, 2013).

    al-Balchī ist neben seiner Kategorisierung psychischer Störungen auch für sein psychosomatisches Verständnis von Erkrankungen bekannt (Badri, 1998, 2013; Deuraseh & Al-Talib, 2005; Husain, 2017; Özkan, 1990). Im Einklang mit Herbert Bensons Einwand von 1997, dass sich die moderne Wissenschaft zu wenig mit den physischen Effekten von Vorstellungen und Emotionen auseinandersetzt und dass ein ausgeglichener Ansatz zum Wohlbefinden emotionale, spirituelle und intellektuelle Überlegungen anstellen sollte, argumentiert auch al-Balchī gegen die Mediziner seiner Zeit, die Gesundheit und Behandlung lediglich in Zusammenhang mit physischen Merkmalen brachten und die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist negierten. al-Balchī nahm keine qualitative Unterscheidung zwischen physischen und psychischen Erkrankungen vor und beschrieb, dass beide Arten sich gegenseitig bedingen. Dadurch hat er einen psychophysiologischen Ansatz zur mentalen Gesundheit etabliert, der als Basis für darauffolgende Gelehrten- und Philosophengenerationen diente (Mohammad et al., 2018). Manche Autoren schreiben ihm darüber hinaus auch die Prägung der Begriffe der mentalen Hygiene und der mentalen Gesundheit zu, die nach ihm maßgeblich von einer Körper-Seele-Balance abhängt (Husain, 2017).

    Referenzen:

    Awaad, R. & Ali, S. (2015). Obsessional Disorders in al-Balkhi′s 9th century treatise: Sustenance of the Body and Soul. Journal of Affective Disorders, 180, 185-189. doi:10.1016/j.jad.2015.03.003

    Awaad, R. & Ali, S. (2016). A modern conceptualization of phobia in al-Balkhi’s 9th century treatise: Sustenance of the Body and Soul. Journal of Anxiety Disorders, 37, 89-93. doi:10.1016/j.janxdis.2015.11.003

    Awaad, R. (2017, September). Historical and Islamic Scholarly Roots of Mental Health. Paper präsentiert auf dem Islamic Models of Nurturing Psychological and Spiritual Health Konferenz des Khalil Centers, Islamic Center at New York University.

    Badri, M. (1998). Abu Zayd Al-Balkhi: A Genius Whose Psychiatric Contributions Needed More Than Ten Centuries To Be Appreciated. Malaysian Journal of Psychiatry6(2).

    Badri, M. (2013). Abū Zayd al-Balkhī’s sustenance of the soul: The cognitive behavior therapy of a ninth century physician. London: International Institute of Islamic Thought.

    Babai, A. (1999). Zur Psychologie und Psychotherapie Ibn Sinas. Berlin, Deutschland: Galda und Wilch Verlag.

    Benson, H., & Stark, M. (1997). Timeless healing: the power and biology of belief. New York: Simon & Schuster.

    Deuraseh, N. & Abu Talib M. (2005). Mental health in Islamic medical tradition. The International Medical Journal, 4, 76-79.

    Haque, A. (2004). Psychology from Islamic Perspective: Contributions of Early Muslim Scholars and Challenges to Contemporary Muslim Psychologists. Journal of Religion and Health, 43(4), 357-377. doi:10.1007/s10943-004-4302-z

    Haque, A., Khan, F., Keshavarzi, H., & Rothman, A. E. (2016). Integrating Islamic Traditions in Modern Psychology: Research Trends in Last Ten Years. (2016). Journal of Muslim Mental Health, 10(1), 75-100.

    Husain, A. (2017). Contributions of Arab Muslim Scholars to Psychology. In A. Husain (Ed.), Contemporary Trends in Islamic Psychology (pp. 13-25). Hdyerabad, Indien: Centre for Study and Research.

    Khalili, S., Murken, S., Reich, K. H., Shah, A. A., & Vahabzadeh, A. (2002). Religion and Mental Health in Cultural Perspective: Observations and Reflections After The First International Congress on Religion and Mental Health, Tehran, 16–19 April 2001. The International Journal for the Psychology of Religion, 12(4), 217–237.

    Mohammad, A., Elzamzamy, K., Fereydooni, S., Gamar, M., & Awaad, R. (2018). Mental Health in the Islamic Golden Era: The Historical Roots of Modern Psychiatry. in H. S. Moffic, J. Peteet, A. Hankir, R. Awaad, Islamophobia & Psychiatry: Recognition, Prevention, and Treatment (in press).

    Özkan, Z. (1990). Die Psychosomatik bei Abu Zaid al-Balhi (gest. 934 A.D.). In F. Sezgin (Ed.), Veröffentlichungen des Institutes für Geschichte der Arabisch-Islamischen Wissenschaften, Reihe A, Texte und Studien, Bd. 4. Frankfurt am Main, Deutschland.