Gewalt und Missbrauch

Gewalt und Missbrauch spielen in der psychosozialen Versorgung der Allgemeinbevölkerung als auch der von Muslimen eine wichtige Rolle. Häusliche und sexualisierte Gewalt, Gewalt im Pflegekontext, in Moscheen und anderen Institutionen und sozialen Organisationen betreffen Eltern, Kinder, Jugendliche, Lehrer, Pfleger, Ärzte oder auch Senioren. Als IASE haben wir dem Thema bereits 1999 und 2000 je eine Tagung gewidmet.

Auf dieser Seite können Sie sich über unterschiedliche Ausprägungsformen aber auch Lösungsansätze zu Gewalt und Missbrauch in der psychosozialen Arbeit mit Muslimen informieren.

Folgende Formen der Gewalt und des Missbrauchs werden hier behandelt:

  1. Gewalt in muslimischen Familien
  2. Spiritueller Missbrauch

1. Gewalt in muslimischen Familien

Beiträge der IASE Fachtagung vom November 1999 im Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e.V. Köln

IASE Tagungsbeitrag 1999: Gewalt im Islam

IASE Tagungsbeitrag 1999: Gewalt in islamischen Familien: Erfahrungen aus der therapeutischen Praxis

IASE Tagungsbeitrag 1999: Muslimische Familien zwischen Islam und Tradition

Beiträge der IASE Fachtagung vom Mai 2000 im Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen e.V. Köln

IASE Tagungsbeitrag 2000: Gewalt in der Praxis der Beratung

IASE Tagungsbeitrag 2000: Gewalt in der Praxis der Beratung

IASE Tagungsbeitrag 2000: Wie gehen die Moscheen mit dem Thema Gewalt um?

IASE Tagungsbeitrag 2000: Wie gehen die Moscheen mit dem Thema Gewalt um?

Verwandte Beiträge zum Thema Gewalt in muslimischen Familien

Zwischen Abhängigkeit und Autonomie – zum islamischen Umgang mit den Eltern


(Inter-)Kulturelle Faktoren von sexuellem Missbrauch

„Zusammenfassung: Der Autor beschäftigt sich in diesem Text mit sexuellem Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, Schwerpunkt sind hierbei muslimische Migranten. Nach einem Überblick zur Häufigkeit von sexuellem Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund wird darauf eingegangen, welche spezifischen Bedürfnisse Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund haben und welche Handlungsstrategien angewendet werden können, um Menschen mit Migrationshintergrund bei ihren Problemen besser zu unterstützen.“ Weiterlesen


2. Spiritueller Missbrauch

Der Missbrauch religiöser Autorität ist in den vergangenen Jahren zu einem sehr sensiblen Thema geworden. Kompetentes Handeln und interdisziplinär erarbeitete Lösungsansätze sind sowohl von Theologen als auch Psychologen und Psychotherapeuten gefordert. In diesem Zusammenhang möchten wir in einem ersten Schritt auf zwei sehr wichtige Artikel hinweisen, deren Lektüre wir empfehlen:

Blurred Lines: Women, “Celebrity” Shaykhs, and Spiritual Abuse

 


Missbrauch religiöser Autorität: Reputation als Tor zur (virtuellen) Beziehungsanbahnung

von Dr. Silvia Horsch und Dr. Mahmud Kellner


„Im Mai diesen Jahres veröffentlichte Ustadha Zaynab Ansari, eine in Syrien ausgebildete amerikanische Gelehrte, einen Artikel mit dem Titel „Blurred Lines: Women, ‘Celebrity‘ Shaykhs, and Spiritual Abuse“. Der Artikel wurde vielfach kommentiert und in sozialen Netzwerken geteilt. Es geht darin um Beziehungen einiger prominenter Gelehrter bzw. Prediger mit ihren Schülerinnen und Bewunderinnen. Beziehungen, die auf dem Weg der Wissenssuche beginnen und in einer zwar Scharia-konformen, aber heimlichen und meist kurzen Ehe, häufig als Zweit- oder Drittfrau, enden. Dazwischen liegen Facebook-Freundschaftsanfragen und e-mail-Kontakte, Unterhaltungen im Cyberspace, die von Wissensfragen zu persönlichen Themen übergehen und schließlich den Charakter eines Flirts erhalten. Natürlich stellen Gelehrte und Prediger, die solche Beziehungen eingehen, eine kleine Minderheit dar. Ustadha Zaynab Ansari wurde jedoch von so vielen betroffenen Frauen kontaktiert, dass sie sich schließlich veranlasst sah, über dieses Phänomen öffentlich zu sprechen.

„Ach, Amerika“, ist vielleicht der erste Gedanke von vielen, „die Muslime dort sind uns im Guten wie Schlechten um einiges voraus – gut, dass es das bei uns nicht gibt.“ Leider ist jedoch dieses Phänomen auch bei uns vorzufinden. Auch in Deutschland treten einzelne Männer als Gelehrte und Prediger in Erscheinung und nutzen die Autorität, die sie dadurch gewinnen, um Ehen und Beziehungen anzubahnen, die schnell wieder vorbei sind. Es wäre naiv zu glauben, dass die Voraussetzungen, die diesem Phänomen zugrunde liegen und die hier wie in den USA vorhanden sind, nicht auch zu den gleichen Ergebnissen führen würden. Zu diesen Voraussetzungen gehören: der (mediale) Kult um Prediger und Gelehrte, die Möglichkeiten der unbeobachteten Kommunikation zwischen den Geschlechtern im Internet und die Sorglosigkeit, mit der manche, insbesondere junge Menschen in Beziehungen stolpern – denn „̣ḥalāl“ heißt noch nicht verantwortungsbewusst.

Bei den Fällen, von denen wir Kenntnis erhalten haben, handelt es sich um Einzelfälle. Dies sei ausdrücklich betont, da es nicht unsere Absicht ist, Gelehrte oder Prediger allgemein in Verruf zu bringen oder ihnen gegenüber Misstrauen zu säen. Es geht auch nicht darum, öffentlich Namen zu nennen. Unsere Entscheidung, auf die Existenz dieses Phänomens aufmerksam zu machen, hat nur einen Grund: Wir wollen verhindern, dass der Islam und muslimische Gelehrte durch ein solches Verhalten weiter in Verruf gebracht werden und die Liste der geschädigten Frauen verlängert wird. Dabei geht es nicht nur um Frauen, die sich auf derartige Beziehungen eingelassen haben, sondern auch um solche, die von solchen Personen über das Internet belästigt werden. Die Methode dieser Personen soll deutlich werden, damit man bestimmte Muster besser erkennen und gegebenenfalls auch das eigene Verhalten überdenken kann. Auch die Verantwortung der Männer ist dabei angesprochen: Wer mitbekommt, dass ein Bruder seine religiöse Autorität zur seriellen oder gar parallelen Beziehungsanbahnung missbraucht, sollte dies nicht stillschweigend tolerieren, sondern ihn darauf ansprechen – vorausgesetzt, er ist in der Position dazu. Bei den schwarzen Schafen muss die Botschaft ankommen, dass die muslimische Gemeinschaft entschieden gegen den Missbrauch von Frauen und dem Missbrauch des Islams vorgehen soll. Nun zu den Voraussetzungen.“ Weiterlesen