Mit dem Namen ALLAHs, des Barmherzigen, des Allerbarmers, bismi ʾllāhi ʾr-raḥmāni ʾr-raḥīm

Zwischen Schamhaftigkeit, Begehren und Geborgenheit: Sexualität im islamischen Diskurs | Dr. Kathrin Klausing

Zwischen Schamhaftigkeit, Begehren und Geborgenheit: Sexualität im islamischen Diskurs

Unser erstes Video der Fachtagung 2026 ist online.

Dr. phil. Kathrin Klausing eröffnet die IASE-Fachtagung 2026 mit einem Vortrag, der Sexualität bewusst nicht als Halal-Haram-Frage verhandelt.

Teil 1: Gesellschaftliche Bedingungen

Unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen Sexualität heute überhaupt entsteht: sexuelle Revolution, HIV, Vermarktung, bewertete und entfremdete Körper.

Teil 2: Der koranische Zugang:

Begehren als Ausdruck menschlicher Bedürftigkeit (faqīr) gegenüber der Unbedürftigkeit Gottes (al-ghanī), al-Ghazālīs Deutung der beiden schahawāt, die zwei Sprachregister des Korans und die Erzählungen von Mūsā, Yūsuf und Maryam. Zentrale These: Schamhaftigkeit (ḥayāʾ) ist keine Verklemmtheit, sondern Würdeschutz und Grenzmarkierung, stets zu unterscheiden von Angst und Beschämung. Mit ausführlicher Diskussion.

IASE-Fachtagung 2026 – „Über Sexualität sprechen. Ein tabuisiertes Thema in der muslimischen Community? Interdisziplinäre Zugänge in Therapie und Pädagogik.“

0:00 Einstieg: Warum dieser Vortrag nicht bei Halal/Haram stehen bleibt
3:35 Begriffsklärung: Sexualität als Konstitution
4:32 Die beiden Schahawāt: Mäßigung im Ramadan und im Ehealltag
8:10 1968, 1985, 2026: Pille, HIV und die Entkopplung von Sexualität und Fortpflanzung
9:54 Sexualität als Markt: Verfügbarkeit, Verdinglichung, Swipe-Ökonomie
10:49 Rückblick auf „Humanae Vitae“: eine Enzyklika im Licht von 2026
15:11 Übergang ins islamische Denken: Abstinenz als Grundzustand
16:08 Al-Ghazālī: Welchen Nutzen haben Begehren und Appetit?
17:53 Genuss als Vorgeschmack aufs Paradies und als Fortbestand der Gemeinschaft
20:39 Die zwei Formen des Exzesses: Sucht und romantische Fixierung
22:27 Das Prinzip der Schwäche: Jedes Bedürfnis bedeutet Abhängigkeit
24:10 Der Körper: vergänglich, bewertet, entfremdet
29:24 Ablehnung als Massenerfahrung – schwierige Parameter für den Menschen
30:14 Publikumsfrage: Tabuisierung und kultureller Ballast
31:04 „Allah schämt sich nicht vor der Wahrheit“; Fragen trotz Scham
33:39 Der Prophet (s) als schamhaftester Mensch, der nie beschämt hat
35:23 Klarstellung: Sexualität unter Zwang ist immer abzulehnen
37:13 Vier Dimensionen im Koran: Ehe und außerhalb, Diesseits und Jenseits
38:04 Al-ghanī und al-faqīr und das pharaonische Modell der Verweigerung
39:54 Zwei Sprachregister: Rafath im Normativen, Mawadda und Sakīna im Metaphorischen
42:41 Irāda gegen Schahwa: Wenn Bedürfnisse instrumentalisiert werden
43:37 Mūsā in Madyan: Begehren, Duʿā und würdevolle Kontaktaufnahme
49:07 These: Schamhaftigkeit als Würdeschutz beim Äußern eigener Bedürfnisse
49:59 Yūsuf und Maryam: Zwei Wege, Grenzen zu markieren
53:41 Diskussion: Scham, Schamhaftigkeit, Angst – warum die Unterscheidung zählt
56:16 Würde statt Gedränge: eine Beobachtung aus dem Ramadan
57:12 Publikumsfrage: Wie können muslimische Jugendliche gesunde Sexualität entwickeln?
58:58 Kapitalismus, Entwürdigung. Und das Schlusswort zum anderen Extrem